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All Inclusive – Auch der Tod: Vier Freundinnen, ein Resort ohne Ausweg
Luise hat sich auf diese Woche mit ihren alten Freundinnen Mo, Valerie und Patricia gefreut wie auf nichts sonst seit langem. Alles inklusive, alles geregelt: Pool, Buffet, Cocktails am Strand, ein Resort, in dem niemand an etwas anderes denken muss als ans nächste Getränk. Doch schon wenige Tage nach der Ankunft verschwindet eine Urlauberin spurlos. Das Personal tut so, als wäre nichts gewesen, die Anlage läuft weiter wie geschmiert.
Dann ist Valerie weg. Luise findet keine Antwort, nur Lächeln, Floskeln und Türen, die sich nicht öffnen lassen. Hinter der perfekten Kulisse aus Palmen und Infinity-Pool beginnt sie zu verstehen, dass hier jemand die Fäden zieht – und dass die Freundinnen in einem Spiel sind, das sie nie gebucht haben. Selbst die örtliche Polizei ist kein Ausweg, denn wem kann man noch glauben, wenn alle Beteiligten denselben Auftrag haben: den Schein wahren?
Was als Urlaub begann, wird zu einem Wettlauf gegen die Zeit. Luise muss herausfinden, was im Resort wirklich passiert, bevor auch sie oder eine der anderen verschwindet. Frank Goldammer spinnt einen Thriller über Freundschaft, Misstrauen und die Frage, wie viel Lüge sich hinter einem All-inclusive-Armband versteckt. Gelesen von Vera Teltz, die jeder Figur ihre eigene Stimme gibt.

Ich habe sieben Stunden gebraucht für dieses Hörbuch und danach erstmal tief durchgeatmet. Nicht, weil es so grausam war, sondern weil mir die Hauptfigur stellenweise ehrlich gesagt auf die Nerven gegangen ist. Die Grundidee gefällt mir richtig gut: vier Frauen, ein Luxusresort, in dem plötzlich Menschen einfach fehlen, und niemand draußen, der ihnen hilft. Das hat etwas Beklemmendes, weil man als Hörerin genau weiß: Hier drin zählt kein Recht, das man kennt. Und Vera Teltz liest so gut, dass ich trotz aller Ärger-Momente weitergehört habe.
Fangen wir beim Positiven an. Das Setting funktioniert. Goldammer beschreibt das Resort genau richtig: nicht kitschig, aber man riecht den Chlor und hört die Animation im Hintergrund. Gerade der Kontrast zwischen der heilen Buffet-Welt und dem, was dahinter passiert, trägt die ganze Stimmung. Ein paar Szenen habe ich tatsächlich mit Gänsehaut gehört, vor allem die Passagen, in denen Luise merkt, dass ihr eigenes Hotel zum Käfig wird. Auch das Tempo ist ordentlich, ich kam kaum zum Pausieren.
Aber dann Luise. Sie trifft Entscheidungen, die keiner Mensch machen würde, rennt kopflos in Gefahren hinein, misstraut allen und vertraut doch im nächsten Moment der falschen Person, weil es die Handlung gerade braucht. Nach zwei, drei solchen Wendepunkten dachte ich: Bitte nicht schon wieder. Ich weiß, dass eine Figur Fehler machen darf, sonst gibt es keinen Thriller. Aber bei ihr wirkte es oft weniger nach Charakter und mehr nach dramaturgischem Kalkül. Das hat mich emotional rausgerissen, mehrmals sogar richtig geärgert.
Auch die Konstruktion insgesamt ist mir stellenweise zu durchsichtig gearbeitet. Manche Zufälle kommen verdächtig passend, bestimmte Figuren verhalten sich nur deshalb so, weil der Plot es verlangt, und wenn man einmal angefangen hat, daran zu zweifeln, fällt es schwer, zurück ins Vertrauen zu finden. Dazu kommt ein Ende, das ziemlich abrupt kommt. Ich hätte mir eine Szene mehr gewünscht, Luft zum Atmen, ein Moment, in dem das Geschehene sackt. So fühlte ich mich eher abgeworfen als befriedigt, obwohl die Auflösung an sich logisch war.
Warum ich trotzdem keine schlechtere Wertung vergebe? Erstens wegen Vera Teltz. Die Frau liest so präzise, mit so viel Nuance bei den vier Freundinnen, dass ich einzelne Kapitel fast doppelt gehört habe. Zweitens, weil ich das Hörbuch an zwei Abenden durchgezogen habe, obwohl ich mitten in einer stressigen Woche war. Ein Buch, das mich ärgert und trotzdem nicht loslässt, hat offenbar doch etwas. Wer einen unkomplizierten Urlaubs-Thriller sucht und mit naiven Hauptfiguren leben kann, macht hier nichts falsch. Wer hohe Ansprüche an Logik hat, sollte eher Finger weg lassen oder sich vorher mental darauf einstellen. Für den nächsten Nervenkitzel danach empfehle ich Flugangst 7A von Sebastian Fitzek.
Wer unsicher ist, ob All Inclusive etwas für ihn ist, sollte zuerst die Hörprobe anhören. Gleich die ersten Minuten zeigen, woran man ist: ein sonniges Resort, vier Freundinnen, und darunter schon ein leises Unbehagen, das sich im Laufe des Hörbuchs immer weiter zuspitzt. Genau dieser Ton entscheidet darüber, ob das Buch gefällt oder nicht.
Die Probe verrät außerdem gleich, wie wichtig Vera Teltz für dieses Hörbuch ist. Ihre Stimme trägt die vier Frauen klar unterscheidbar, ohne dass es bemüht klingt, und sie hält selbst in ruhigen Szenen eine Spannung aufrecht. Wenn einem ihre Lesung in der Probe zusagt, wird sie einen auch über sieben Stunden hinweg nicht enttäuschen.
Mein Rat: Probe anhören, und zwar bis zur ersten Unruhe-Szene. Wenn einen dabei packt und Luise in diesen Anfangskapiteln noch nicht stört, dürfte man mit dem kompletten Hörbuch glücklich werden. Wenn sie einen dort schon nervt oder die Prämisse zu konstruiert wirkt, spart man sich besser die volle Laufzeit., beide von Sebastian Fitzek.



