
The Mistake (Niemand ist perfekt), von Elle Kennedy | Gratis Hörbuch

The Goal (Jetzt oder nie), von Elle Kennedy | Gratis Hörbuch
Worum es geht
Dean Di Laurentis ist einer, der gewinnt. Auf dem Schachbrett und sonst auch. Er hat den Ruf, sich zu nehmen, was er will, und lässt niemanden zu nah an sich ran. Mit seiner Lässigkeit und diesem unverschämten Grinsen kommt er bisher immer durch. Bisher.
Bis Allie Hayes auftaucht. Eine Nacht mit ihr, heiß genug, um die halbe Nachbarschaft wach zu halten – und am Morgen steht Dean mit offenem Mund da. Allie will nichts mehr von ihm wissen. Kein zweites Date, kein Kaffee, nur ihre Kälte. Dabei steckt sie selbst in der Krise: Der Abschluss rückt näher, und ihr Ex Sean hat ihr das Herz ziemlich gründlich zertreten.
Dean kennt es nicht, zu betteln. Doch Allie will kein Bettgeflüster, sie will, dass er es ernst meint. Also muss der Mann, der immer gewinnt, plötzlich Dinge tun, die ihm überhaupt nicht liegen: warten, zuhören, um eine Frau kämpfen, statt sie nur ins Bett zu kriegen. Und unterwegs merkt er, dass ihm diese eine Abfuhr mehr bedeutet als jede Eroberung davor.

Ich habe diese Hörreihe vor mir hergeschoben. Ehrlich. Noch ein College-Roman, noch ein Bad Boy, noch eine Good-Girl-Story, dachte ich, als ich das Hörbuch startete. Aber dann lief ich mit den Kopfhörern durch die Küche, machte noch eine Hörsession an, weil ich ein Kapitel nicht unterbrechen konnte, und irgendwann saß ich da und wischte mir die Augen. Dean Di Laurentis ist genau die Sorte Typ, die ich eigentlich nicht ausstehen kann. Und doch habe ich mich über Stunden dabei ertappt, wie ich ihm die Daumen drücke.
Dean ist der Schachspieler unter den Off-Campus-Jungs, was man erstmal belächeln mag. Aber genau das macht ihn aus. Er ist nicht nur der Typ, der das System austricksen will, sondern einer, der tatsächlich strategisch denkt. Zu Beginn ist er eine einzige Provokation. Er will Allie, er bekommt, was er will, und er zieht weiter, so kennt man ihn aus der Reihe. Doch Elle Kennedy lässt ihn nie auf dieser Oberfläche stehen. Zwischen all dem Getue zeigt er Momente, in denen er plötzlich ganz still wird. Das hat mich gefangen, bevor ich es überhaupt realisiert habe. Und ja, hier kommt der Punkt, den ich ehrlich anmerken muss: Es gibt Passagen, da ist mir der erotische Anteil schlicht zu viel. Ich habe an manchen Stellen schneller vorgespult, weil es mir um die Figuren ging, nicht um die Szenen dazwischen.
Allie hatte ich anfangs ein bisschen unterschätzt. Sie kommt aus einer Beziehung mit Sean, der nicht gut für sie war, und steht kurz vor dem Abschluss, dieser ganze Übergangsraum, in dem man nicht mehr weiß, wer man eigentlich ist. Das ist kein schnödes Liebesdrama, das fand ich stark. Sie ist wütend und verwirrt, sie trifft Entscheidungen, die man als Hörerin am liebsten verhindern würde, und genau darin fühlt sie sich echt an. Ihre Unsicherheit hat mich an meine eigene Zeit nach dem Studium erinnert. Sie sucht nicht nach Liebe, sie versucht erstmal, über Wasser zu bleiben. Dass ausgerechnet dieser selbstverliebte Typ ihr Halt gibt, ist eine Pointe, die man kommen sieht. Trotzdem funktioniert sie.
Klar, das ist eine klassische Bad-Boy-Good-Girl-Geschichte. Das Muster, das man schon hundertmal gehört hat, ich weiß. Wer absolute Überraschung sucht, wird hier nicht fündig. Aber der Unterschied liegt für mich im Ton. Kennedy schreibt nicht von oben herab über ihre Figuren, sie nimmt sie ernst, auch in ihren blöden Momenten. Dean und Allie verhandeln ihre Gefühle nicht in einem einzigen großen Bekenntnis, sondern häppchenweise, missverständlich, immer wieder rückwärts. Die Dialoge haben diesen wachen, frechen Rhythmus, den ich beim Hören wirklich genossen habe. Ich habe mit den zwei mitgelitten, obwohl ich jeden Schritt vorhersehen konnte. Das ist Kunst. Es hat mich fast geärgert, wie sehr es mich mitgenommen hat.
Und dann die letzte Strecke. Ich will nicht spoilern, aber ich sage so viel: Ich habe mir mehr als einmal die Ohren gerieben, weil ich nicht glauben wollte, wie tief diese Geschichte am Ende gegangen ist. Dass man bei einem Bad-Boy-College-Roman heult, hätte ich nie erwartet. Die Sprecherin Sarah Dorsel trägt da einiges bei. Sie gibt Dean diese Mischung aus Arroganz und Verletzlichkeit, ohne ins Klischee zu kippen, und Allie klingt nie wie ein hilfloses Mädchen. Ich habe die Reihe nun im Ohr und freue mich auf die nächste Runde mit der Truppe. Wer mit der Prise Zuviel an erotischen Szenen und dem bekannten Muster leben kann, bekommt hier ein Hörbuch, das deutlich mehr Herz hat, als der Klappentext vermuten lässt. Ich hätte es mir fast entgehen lassen. Zum Glück nicht. Wer Logan und Grace schon aus The Mistake – Niemand ist perfekt kennt, sieht hier genau, wie aus einem Fehlgriff mehr werden kann.
Dean Di Laurentis hält sich für unfehlbar. Bis ihm Allie eine Lektion erteilt, mit der er nicht gerechnet hat. Elle Kennedys College-Romance mit Spannung, Witz und ziemlich viel Herz lässt sich mit Sarah Dorsels Stimme wunderbar verschlingen. Fast zwölf Stunden, in denen man am liebsten einfach weiterhört, statt auszusteigen.
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